4. Februar 2017

Rezension: Gone Girl


Was tust du, wenn deine Ehe langsam den Bach herunter geht und dann urplötzlich deine Frau gewaltsam entführt wird und natürlich jedermann dich, den Ehemann, im Verdacht hat? Mit dieser Frage muss sich der ehemalige Journalist Nick Dunne in Gillian Flynns Gone Girl auseinander setzen, bis dann plötzlich alles anders kommt. Wie mir der Roman gefallen hat, erfahrt ihr in meiner heutigen Rezension.



Worum geht es?

Bis zum verflixten siebten Jahr, in dem sich eigentlich erst die Krisen anbahnen, haben es Amy und Nick Dunne nicht geschafft. Bereits nach fünf Jahren Ehe ist bei ihnen die Luft raus. Am Morgen ihres fünften Hochzeitstages frühstückte das Ehepaar noch, zwar beinahe schweigend, miteinander, am Abend war Amy verschwunden. Alles deutete auf eine gewaltsame Entführung hin. Das Wohnzimmer war verwüstet, das Blut in der Küche schlampig aufgewischt worden. Alles deutete darauf hin, dass Nick als Täter infrage kommt. Schließlich war der Ehemann immer der Täter!
Die Schlinge um seinen Hals scheint sich immer mehr zu zuziehen, vor allem als seine Affäre mit einer zehn Jahre jüngeren Frau ans Licht kommt. Dazu tauchen immer mehr belastende Beweise auf. Später glauben sogar Amys Eltern, dass Nick ihrer Tochter etwas angetan hat. Doch dann nimmt der Fall Amy Elliott Dunne eine ganz andere Wendung.


Rezension

Der Roman ist in drei Teile geteilt und in zwei Perspektiven geschrieben, der von Nick, sowie der von Amy. Dazu erfahren bei einem Perspektivwechsel unter dem jeweiligen Namen stets eine Zeitangabe in Form eines Datums oder aber wie viele Tage nach Amys Verschwinden vergangen sind.
Im ersten Teil erleben wir das gegenwärtige Geschehen aus Nicks Perspektive, während wir von Amy ausschließlich Tagebucheinträge aus vergangenen Jahren zu lesen bekommen, die zuerst davon handeln, wie sich die beiden kennengelernt haben und wie ihre Ehe sich in all den Jahren entwickelt hat. Dadurch wird das Bild von Nick beim Leser durchgehend schlechter, denn man soll den Eindruck bekommen, dass er tatsächlich ein Mörder ist.
In Teil 2 erfahren wir gleich zu Beginn, dass dies genau Amys Absicht war. Das erste Kapitel im zweiten Teil dient als großer Plottwist, der die Handlung komplett umschmeißt und auch den Leser in eine neue Lage bringt. Da ich in der Uni bereits die Verfilmung des Buches gesehen habe, hat mich das leider nicht ganz so überrascht. Ich glaube allerdings, dass Nick selbst dann nicht als Täter für mich infrage gekommen wäre, weil mir dies zu einfach vorgekommen wäre.
Dennoch finde ich diese Wendung noch immer raffiniert, weil sie so unvorhergesehen kam und gleichzeitig so unberechenbar war. Es hat das Charakterbild in meinem Kopf gleich komplett umgeworfen. Hatte ich zu Beginn noch Mitleid mit Amy, war es nun Nick, der mir leid tat, während ich Amy immer unsympathischer fand.
Teil 3 setzte dem Fall und vor allem Amys Intrige dann nochmal die Krone auf. Diese Wendung der Geschichte hatte ich tatsächlich nicht erwartet und hat Amys Charakter nochmal viel Tiefe gebracht und gezeigt, wie sie wirklich tickt. Für mich hat es sie gleich noch unsympathischer gemacht. Sie spinnt die Intrige soweit, dass sie Nick mittels eines Babys an sich bindet.
Es gefällt mir vor allem, dass es mal kein Happy End im Sinne von "Sie lebten glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende" gibt, sondern dass der Leser mit einem offenen Ende zurückgelassen wird. Man erfährt, dass die Geburt des Kindes kurz bevor steht und mit dieser letzten Information wird der Leser aus der Geschichte entlassen.

Dass der Roman in zwei Perspektiven geschrieben wurde, gibt der ganzen Handlung und den Charakteren natürlich viel mehr Tiefe. Sie sind dadurch greifbarer, man entwickelt größere Sympathien und auch Abneigungen. Mir hat Amys Perspektive etwas besser gefallen, weil man so viel deutlicher mitbekommen hat, was in ihrem Kopf vorgeht. Dadurch sind ihre Handlungen zwar nicht nachvollziehbar, doch man erführt die Gründe für ihr Handeln.
Was mich zwischendrin ein wenig gestört hat, ist die vulgäre Sprache der beiden Protagonisten. Es ist wohl einfach ihre Art, manches so grob und indiskret auszudrücken, aber an manchen Stellen fand ich es doch etwas störend und zu viel
Dass die Titel der einzelnen Teile bereits die Handlungen vorausdeuten, finde ich zudem etwas schade, denn das nimmt in meinen Augen doch etwas die Spannung, weil man sich dadurch erschließen kann, was damit gemeint sein könnte.


Fazit

Gillian Flynns Gone Girl hat mir gut gefallen. Hätte ich die Verfilmung nicht zuerst gesehen, hätte mich der Roman sicher mehr gefesselt. Dennoch konnte mich auch der Roman noch einige Male überraschen! Mir gefällt, dass hier mit zwei Perspektiven gearbeitet wurde, auch wenn mir manchmal die vulgäre Sprache von Nick und Amy nicht ganz so gefallen hat. Dafür konnte das offene Ende wieder punkten, so dass ich dem Roman vier von fünf Kreuzen gebe. 




Buchdetails

Titel: Gone Girl - Das perfekte Opfer
Autorin: Gillian Flynn
Übersetzung: Christine Strüh
Verlag: S.Fischer Verlage
Preis: 12,00€
Sonstiges: Hardcover, 830 Seiten

Die Buchdetails sind der Website der S. Fischer Verlage entnommen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen